Die Geschichte des Sigulda-Spazierstocks
Rund um Sigulda werden seit mehr als 200 Jahren Spazierstöcke hergestellt. Schon ein Reiseführer aus dem 19. Jahrhundert empfahl, für den Spaziergang durch die Schluchten von Sigulda einen Stock zu kaufen, den man bei einem Jungen aus dem Ort bekam. Die ersten Stöcke waren ganz einfach: ein Ast aus Hasel oder Faulbaum, an einem Ende geschält und zu einem Griff gebogen.
Als Sigulda Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem beliebten Kur- und Sommerfrischeort wurde, wurde der Verkauf von Stöcken für die Bauern zu einer wichtigen Einnahmequelle. In den 1930er Jahren kamen mehr Handwerker hinzu, und die Stöcke wurden verziert: Das Holz wurde weich gemacht, über eine Form gebogen, getrocknet und anschließend mit eingebrannten Mustern versehen, bemalt und lackiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Stöcke noch bunter, mit roten, grünen und schwarzen lettischen Volksornamenten, und das Handwerk wurde von Generation zu Generation weitergegeben.
Die Herstellung des Sigulda-Spazierstocks steht auf der Liste des immateriellen Kulturerbes Lettlands. Im Oktober 2026 genehmigte das Lettische Patentamt den Antrag, "Siguldas spieķis" als geografische Angabe einzutragen, als erstes lettisches Handwerksprodukt, das so weit gekommen ist.